GEMA und Youtube einigen sich – Was müssen Youtuber jetzt beachten?

Jubel und Begeisterung in allen Sozialen Netzwerken: Die GEMA und Youtube haben sich nach etlichen Jahren endlich auf eine Vergütung geeinigt. Videos mit GEMA-Musik werden nicht mehr länger automatisch gesperrt. Heißt das, dass Youtuber ab jetzt beliebig jede Musik verwenden können, die sie wollen? Nein! Nach wie vor gibt es urheberrechtlich viel zu beachten.

Warum wurden Videos überhaupt gesperrt?

Musikstücke sind urheberrechtlich geschützt. Wer Musik ohne Erlaubnis veröffentlicht begeht eine Urheberrechtsverletzung. Das gilt für Plattenfirmen und Radio genauso wie für Podcasts oder Youtube. Wer Musik veröffentlicht, braucht dafür die ausdrückliche Genehmigung aller beteiligten Künstler (Komponist, Liedtexter, Musiker). Und diese Genehmigung lassen sich Musiker natürlich bezahlen. Wurde Musik in Videos bei Youtube verwendet, so wurde bisher keine Genehmigung dafür eingeholt und auch keine Gebühren bezahlt. Das war das Problem.

Wer ist überhaupt die GEMA?

Die GEMA ist ein wirtschaftlicher Verein, in dem die meisten deutschen Komponisten, Textdichter und Verleger organisiert sind. Er vertritt die Rechte der Urheber. Wenn zB. ein Diskothek-Betreiber oder ein Radiosender Musik spielt, dann kann er die Gebühren für alle Lieder zentral an die GEMA entrichten, die die Gelder dann an ihre Mitglieder verteilt.

Was war die Frage im Rechtsstreit?

In Deutschland gibt es das so genannte Host-Provider Privileg. Es besagt, dass Internet-Dienste wie Twitter, Facebook etc. nicht dafür verantwortlich sind, was ihre Nutzer auf ihren Plattformen veröffentlichen. (TMG §10) Wenn also ein Nutzer etwas verbotenes auf Facebook postet, muss Facebook diesen Post erst löschen, wenn er bei Facebook gemeldet wird. Auf dieses Privileg hatte sich bis jetzt auch Youtube berufen.

Youtube sagte: „Wir sind nicht verantwortlich für die Videos auf unserer Plattform. Denn die Videos werden nicht von uns, sondern von unseren Nutzern hoch geladen. Deshalb müssen nicht wir die Gebühren für die Musik-Nutzung an die GEMA bezahlen. Die GEMA muss sich an unsere Nutzer wenden.“

Die GEMA sagte: „Youtube stellt nicht wie Facebook und Twitter nur eine Plattform zur Verfügung. Youtube schaltet vor den Videos Werbung und verdient an den Videos mit. Deshalb ist Youtube nicht nur ein bloßer Host-Provider sondern aktiv verantwortlich für die Inhalte der Videos. Youtube muss die Gebühren für die Musik-Nutzung bezahlen.“

Wer hat Recht?

Die Frage war rechtlich umstritten. Zuletzt gaben Gerichte aber eher Youtube Recht. Das könnte ein Grund für die Einigung sein.

Woher kamen die Sperrtafeln?

Youtube hat über die Youtube-Content-Id die Möglichkeit automatisiert Musik zu erkennen. Wenn die Content-Id Musik in einem Video wieder erkannt hat, das urheberrechtlich geschützt war, wurde das Video gesperrt. Youtube sperrte die Videos aus zwei Gründen: 1. Um seine Nutzer zu schützen: Wenn ein Youtube-Nutzer urheberrechtlich geschützte Musik in seinem Video verwendet, hätte die GEMA den Nutzer abmahnen können. 2. Um sich selbst zu schützen: Sobald Youtube von der Musiknutzung ohne Erlaubnis erfahren hat, waren sie rechtlich gezwungen dagegen vorzugehen.

Warum gab es in anderen Ländern keine Sperrtafeln?

In anderen Ländern hat Youtube sich mit ähnlichen Institutionen wie der GEMA über eine allgemeine Vergütung geeinigt. Auch mit der GEMA bestand bis 2009 ein Vertrag. Die Gebühren, die die GEMA verlangte, waren Youtube schlicht zu hoch. Man konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Preis einigen. Welche Beträge die GEMA genau forderte ist nicht öffentlich. Unstrittig verlangte sie jedoch sehr viel höhere Beträge als in anderen Ländern. GEMA-Vertreter Alexander Wolf: „Wir sehen, wie erschreckend niedrig die Einnahmen der Künstler in Ländern wie Großbritannien und Italien aus den Verträgen mit Youtube sind“

Was ist nun passiert?

Die GEMA und Youtube haben sich geeinigt, dass Youtube die Kosten für seine Nutzer übernimmt. Ob grundsätzlich die Nutzer oder Youtube dazu verpflichtet sind die GEMA-Gebühren für die Musik in Videos zu bezahlen, bleibt rechtlich ungeklärt.

Dürfen User nun jede Musik bei Youtube hoch laden?

Nein! Zunächst einmal gilt die Einigung nur für GEMA-Mitglieder. Musik von Musikern, die ihre Lieder nicht bei der GEMA gemeldet haben, dürfen weiterhin nicht in Videos verwendet werden. Zudem ist der Upload von Musik ohne Erlaubnis durch die GEMA nach wie vor eine Urheberrechtsverletzung. Die GEMA wird nur nicht mehr dagegen vorgehen, weil die resultierenden Gebühren ja gezahlt werden.

Schließlich bestehen an Musik nicht nur die Rechte der Urheber sondern auch die der Musik-Verlage (Plattenfirmen). Über die Content-ID können Rechteinhaber, deren Musik ungefragt genutzt wurde, also auch weiterhin Videos sperren. Sie könnten die entsprechenden Youtuber sogar abmahnen, was aber unüblich ist.

Warum nutzen überhaupt so viele Youtuber Musik in ihren Videos, obwohl das verboten ist?

Ich habe lange in Foren, Facebook-Gruppen und bei gutefrage.net Fragen zum Thema Urheberrecht beantwortet. Meiner Erfahrung nach ist der überwiegenden Mehrheit der Internet-Nutzer nicht klar, dass man Musik und Bilder nicht ohne Erlaubnis weiter veröffentlichen darf.

Wie kann ich herausfinden, ob ich ein Lied bei Youtube verwenden darf?

Mit letzter Sicherheit lässt sich das nicht herausfinden. Unter den Musik-Richtlinien bei Youtube kann jeder schauen, ob Musiktitel gegenwärtig von der Youtube-Content gesperrt werden. Youtube übernimmt aber keine Garantie für die Richtigkeit dieser Angaben, und schon gar nicht dafür, dass die Rechteinhaber ihre Einstellungen nicht ändern.

Darf ich Remixe von Musik-Liedern veröffentlichen?

Nein. Weil die Youtube-Content-Id Remixe manchmal nicht erkennt, hat sich der Irrglaube verfestigt, Remixe seien keine Urheberrechtsverletzungen. Ein Kunstwerk zu bearbeiten und danach zu veröffentlichen ist jedoch nach UrhG §23 verboten. Daran ändert sich auch durch den neuen GEMA-Youtube-Vertrag nichts.

Darf ich Cover-Versionen auf Youtube stellen?

Jaein. Die Verwertungsrechte, die die GEMA einräumt, schließen auch Cover-Versionen mit ein. Jedoch nur so lange die Lieder original-getreu gespielt werden. Wird ein Lied sehr stark verändert, so ist das wieder eine Bearbeitung nach §23 UrhG. Wer etwa einen Schlagersong als Heavy-Metal Version spielt, begeht mit Sicherheit eine Urheberrechtsverletzung. Gleiches gilt, wenn man den Text ändert.

Darf ich Songs mit einem Converter von Youtube herunter laden?

Wahrscheinlich ja. Juristen gingen bereits vor der Einigung von GEMA und Youtube davon aus, dass solche Downloads als Privatkopien nach §53 UrhG erlaubt waren. 100% sicher ist das noch nicht, weil es zu diesem Sachverhalt noch nie ein Gerichtsurteil gegeben hat. Die Einigung von GEMA und Youtube verbessert dennoch die Rechtslage für den Downloader. Denn eine Privatkopie kann verboten sein, wenn die Vorlage der Kopie (das youtube-Video) offensichtlich rechtswidrig ist. Was genau offensichtlich rechtswidrig bedeuten soll, war bisher unter Juristen durchaus umstritten. Nachdem die GEMA aber nun die Rechte für so viele bekannte Lieder einräumt, kann man mit gutem Rechte bezweifeln, ob es auf Youtube überhaupt noch offensichtlich rechtswidrige Musik gibt.

Ist die Einigung zu begrüßen?

Ja. Unzählige Internet-Nutzer können nun bei Youtube auf zahllose gesperrte Inhalte zugreifen. Youtuber deren Videos gesperrt wurden, verdienen nun wieder Geld durch Werbeeinnahmen. Und die von der GEMA vertretenen Künstler bekommen nun Geld aus den Gebühren und ihre Musik kann im Internet weiter verbreitet werden, was gut für ihre Bekanntheit und ihre Reputation ist. Die Einigung hat eigentlich nur Gewinner.

Die einzige Kehrseite: Mit den Youtube-Sperr-Tafeln wird das Urheberrecht jetzt aus der öffentlichen Debatte verschwinden, weil es für niemanden mehr konkret störend ist. Damit wird die grundlegende Debatten darüber, ob unser Urheberrecht noch zeitgemäß ist wieder zu einer Spezialisten-Diskussion. Dabei wäre eine öffentliche Debatte über Urheberrechts-Reformen (Abschaffung der GEMA-Vermutung, Recht auf Remix, Fair use Regelung, etc.) dringend notwendig.

 
Thomas Morus

Thomas Morus

Thomas Morus (1478-1535) war Autor, Staatsmann und Jurist. Und lehrte als Professor für Jura an der Law-School Lincoln's Inn. Als Autor und Poet schrieb er Prosa und philosophische Abhandlungen. Sein berühmtestes Werk ist die Utopia. In ihr entwirft er eine perfekte Gesellschaft, in der alle Menschen in Frieden leben und sich nach ihren Möglichkeiten entwickeln können. Hinter dem digitalen Thomas Morus steckt Thomas Reeh. Journalist, Online-Redakteur und Blogger.

 

7 Gedanken zu „GEMA und Youtube einigen sich – Was müssen Youtuber jetzt beachten?

  1. Vielen Dank für den Beitrag! Bleibt die Frage was passiert, wenn man Musik z.B. bei musicbed.com offiziell lizensiert und diese dann mit Video hochlädt. Wenn ich den Blogtext richtig verstehe, bezahle ich für die Lizenz und Youtube die Gebühren an die GEMA?!

  2. Hallo
    nun aber eine andere Frage…..

    Darfich Musikvideos die bei Youtube geladen habe (was ja keiner weiss woher die sind) und Videos die zb ein Senderlogo haben öffentlich aufführen bei einer Videodisco, obwohl ich an die Gema Zahle ?

    Gruß Maik

    1. Hallo Maik,

      das sind zwei Fragen aus zwei verschiedenen Rechtsgebieten auf einmal.

      Zunächst der urheberrechtliche Fall: Die Lizenzierungskette ist hier von sich aus schon sehr schwierig. Damit die Ausstellung dieser Youtube-Videos rechtens ist, müsste erstens das ursprüngliche Video schon einmal rechtmäßig hochgeladen worden sein. (Bei irgendwelchen Youtube-Videos ist das schon einmal zu bezweifeln.) Zweitens müsste für dich eine Lizenz vom Youtube-Kanal-Betreiber bestehen, die auch nicht besteht. Die Zahlung der GEMA-Gebühren bezieht sich indes nur auf die Musik, und nicht auf die Videos, die eine eigenständige künsterliche Leistung beinhalten können und damit selbst als Werke geschützt sind.

      Das zweite Problem ist das Markenrecht. Wenn in dem Video ein Senderlogo zu sehen ist, könnte der Eindruck entstehen, dass das Video live von dem Sender übertragen würde, was aber nicht der Fall ist.

      Ich würde auch in diesem Fall einen Anwalt zu Rate ziehen, da ich keine individuelle Rechtsberatung erteilen darf.

      Mit freundlichen Grüßen
      Thomas Morus

  3. Erstmal Danke für die Infos.
    Ich hätte da aber mal eine Frage viele „größere“ Yter haben, wenn sie Spenden bekommen, eine Animation mit Musik, die einfach jeder kennt z.B. Lieder von Eminem. Diese Animationen dauern meistens aber nur unter 10 Sekunden. Die Frage: Darf man die Musik verwenden?
    Ich bedanke mich jetzt schon mal für eine Antwort.
    LG Jonas Meier und der ganze Ch4rg3d Clan

    1. Hallo Jonas,

      es ist erst einmal sehr gut, dass du dich mit der Frage beschäftigst. Nicht alles, was große Youtuber machen, ist nämlich auch rechtlich unbedenklich. Die Youtube-Community professionalisiert sich immer mehr. Nichtsdestotrotz werden auch hier immer noch zahlreiche Fehler gemacht.

      Dass die Animation lediglich 10 Sekunden dauert ist urheberrechtlich ohne Bedeutung. Ein Teil eines Werkes ist nämlich selbst urheberrechtlich geschützt, sofern es selbst die Kriterien eines Werkes erfüllt. Dass du in der Lage warst, das Lied von Eminem wiederzuerkennen, zeigt leider schon, dass es das tut.

      An sich gilt in diesem Fall das gleiche, was ich in meinem Einführungsartikel schon beschrieben habe und auch hier erläutere: https://www.youtube.com/watch?v=3jHUAhnpIec Wenn Ihr Musik von einem anderen Künstler nutzen wollt, muss in irgendeiner Form eine Lizenz (=Erlaubnis) dafür vorliegen.

      Wenn die Animationen aber so häufig genutzt werden, wie ihr meint, könnte es sein, dass Youtube diese entsprechend lizenziert hat und zur Verfügung stellt. Schaut mal hier nach: https://www.youtube.com/audiolibrary/soundeffects ob die Musik dabei ist. Lest euch aber, bevor ihr so etwas nutzt, die Nutzungsbedingungen bei Youtube genau durch.

      Mit freundlichen Grüßen
      Thomas Morus

  4. Hallo Thomas,

    vielen Dank für deinen Artikel – kannst du mir etwas zu folgendem Problem sagen: Ich bearbeite nebenberuflich Videos und viele Privatkunden möchten ihre Urlaubsvideos etc. gerne mit GEMA Musik unterlegt haben. Ich nehme also lediglich die Musik und die Aufnahmen, welche mir vom Kunden gestellt werden und synchronisiere Musik und Aufnahmen.

    Ist diese Synchronisation zulässig?
    Bezüglich Veröffentlichung weise ich den Kunden darauf hin, dass die Filmchen nicht zur Veröffentlichung geeignet sind bzw. ich keine Haftung übernehme falls der Kunde damit gegen Urheberrechte verstößt.

    Würde mich sehr über eine Antwort freuen!
    LG

    1. Hallo Steven,

      ganz streng genommen kann man selbst hier noch ein Problem sehen. Was du da tust unterteilt sich in zwei Urheberrechts-relevante Handlungen. 1. Du unterlegst das Video mit der Musik und stellst somit eine Bearbeitung des Werks her und 2. Überführst du die Musik damit und speicherst sie in eine neue Datei, was eine Vervielfältigung darstellt.

      Die Bearbeitung ist kein Problem, weil gemäß §23 UrhG lediglich die Veröffentlichung bearbeiteter Werke, nicht aber deren Herstellung eine Lizenz(=Erlaubnis) voraussetzt. Paradoxerweise liegt das Problem hier bei der Vervielfältigung. Es ist gemäß §53 UrhG zwar gestattet zum privaten Gebrauch Werke zu vervielfältigen. Jedoch steht im gleichen Gesetzes-Artikel, dass das nur in bestimmten Ausnahmefällen durch einen bezahlten Dienstleister erfolgen darf: https://dejure.org/gesetze/UrhG/53.html

      Ich bin kein Anwalt und darf daher keine Rechtsberatung erteilen.

      Deswegen lasse ich an dieser Stelle nur beiläufig fallen, dass niemand jemals von der Vervielfältigung erfahren wird, sofern deine Kunden sich an deine Vorgaben halten. Außerdem würde es mich persönlich sehr verwundern, wenn Plattenfirmen gegen Privatleute, die mit ihrer Musik ihre Urlaubsvideos hinterlegen, tatsächlich vorgehen würden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Thomas Reeh

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